FCB-Saisonvorschau – Teil 2 – Die Big-Man-Bank

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In Teil 1 der Korbleser-Saisonvorschau haben wir uns mit den drei potenziellen Big Man-Startern des FC Bayern befasst, heute geht es um ihre Ersatzleute …

Neben den drei Amerikanern Troutman, Homan und Roberts verrichten auf den Positionen 4 und 5 weiterhin Jan-Hendrik Jagla und Sasa Nadjfeji ihre Dienste. Jagla hatte keine leichte erste Saison beim FC Bayern und schien mit seiner relativ kleinen Rolle nicht zurechtzukommen. Gegen Ende der Saison hatte er jedoch einige gute Spiele, auch bei der Nationalmannschaft zeigte er im EM-Qualifikationssommer teilweise wieder sehr gute Leistungen. Dass er Basketball spielen kann, das weiß Jagla selbst und das wissen auch viele Basketballfans (obwohl einige es aufgrund von persönlichen Antipathien weiterhin nicht wahrhaben wollen). Seine Rolle beim FC Bayern wird durch die Ankunft von Roberts allerdings nicht größer werden. Für sein Selbstvertrauen und den Erfolg des Teams wäre es wichtig, dass es ihm gelingt, auch bei wenigen Minuten Einsatzzeit effektiv zu spielen.

“Das Finale sollte schon drin sein.” – Sasa Nadjfeji

Sasa Nadjfejis Einsatzzeit wird noch geringer ausfallen, denn als siebter Ausländer ist er dank der 6+6-Regel das fünfte Rad am Wagen. “Hä?”, mag da manch einer sagen, doch die Rechnung ist ganz einfach. Um den deutschen Nachwuchs zu fördern, gibt es im Basketball eine Quotenregel. Ab der Saison 2012/2013 gilt die verschärfte 6+6-Quote, das heißt in der Beko BBL dürfen nur noch maximal 6 Ausländer pro Spiel eingesetzt werden.[1] Nadjfeji gibt in der kommenden Spielzeit daher den Standby-Profi und springt nur ein, wenn einer der anderen ausländischen Spieler verletzt ist. Ein Luxus, gerade für einen Verein ohne Doppelbelastung durch internationalen Wettbewerb. Und gerade bei einem Spieler von Nadjfejis Klasse, auch wenn er nicht mehr der Jüngste ist. In einem Team mit niedrigeren Ambitionen könnte der König der Körpertäuschung sicherlich noch eine wertvolle Rolle spielen, doch er scheint sich in München wohlzufühlen und setzt sich daher ohne großes Murren auf die Tribüne.

Der Vater zweier Söhne erfüllt beim FC Bayern aber noch eine andere Aufgabe: Er fungiert als Mentor für den 19-jährigen Nachwuchscenter Bogdan Radosavljevic, der wie Nadjfeji aus Serbien stammt, aber einen deutschen Pass besitzt. Radosavljevic gilt als eines der größten Center-Talente Europas, hat jedoch in den letzten zwei Jahren nicht unbedingt viel aus diesem Talent gemacht. Laut offiziellen Daten hat er im Lauf der letzten Saison 30 kg an Gewicht zugelegt … dem Augenschein nach jedoch nicht an Muskelmasse. In der Presse war zu lesen, er habe Mühe, seinen Lebensstil auf den eines Profisportlers umzustellen. Zuletzt verbrachte Radosavljevic auf Geheiß von Dirk Bauermann daher drei Wochen in den USA, um sich von Fitnessguru Mark Verstegen in Form bringen zu lassen. Die Bemühungen scheinen gefruchtet zu haben. Zudem hat Radosavljevic gerade seinen Schulabschluss unter Dach und Fach gebracht, so dass er sich nun ganz dem Basketball widmen kann. Spielzeit wird Bogdan Radosavljevic in der BBL sicher nur häppchenweise sehen, wenn überhaupt. Seine Spielpraxis wird er sich in der zweiten Mannschaft des FC Bayern in der 1. Regionalliga holen. Dennoch dürfte diese Saison wegweisend für seine Zukunft beim FC Bayern sein. Wenn er in seiner ersten Saison als Vollprofi die richtige Einstellung an den Tag legt, dann wird er in absehbarer Zukunft auch in der höchsten Spielklasse eine Rolle spielen. Und um sich eine professionelle Arbeitsweise einimpfen zu lassen, gibt es sicher schlechtere Lehrmeister als den erfahrenen Musterprofi Sasa Nadjfeji, der seit über 10 Jahren ohne Unterbrechung in der deutschen Bundesliga aktiv ist.

Mit dem ebenfalls 19-jährigen Power Forward Julius Wolf gibt es noch einen weiteren jungen Deutschen im Kader des FC Bayern, der mittelfristig den Sprung in die BBL schaffen möchte. Wolf kam im Sommer vom NBBL-Eliteteam Erdgas Ehingen/Urspringschule und absolviert beim FC Bayern ein Freiwilliges Soziales Jahr. Wie Radosavljevic wird auch er dieses Jahr kaum Erstligaluft schnuppern dürfen, sondern sein Talent in der Regionalliga unter Beweis stellen müssen. Wenn er nicht wie sein Bruder Enosch noch den Weg aufs College in die USA geht, wird man Julius Wolf in den nächsten Jahren aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in der BBL sehen – ob beim FC Bayern oder anderswo.

Big Man-Fazit:

Auf den großen Positionen hat der FC Bayern sein Ziel der größtmöglichen Kontinuität bei gleichzeitiger Verbesserung des Kaders klar erreicht. Das Erfolgsduo Jared Homan und Chevon Troutman bleibt, Lawrence Roberts ersetzt Darius Hall. Eine offensichtliche Verbesserung, denn trotz seiner Qualitäten als Entertainer muss man ehrlicherweise sagen, dass Hall in der vergangenen Saison im Grunde nur noch sein Gnadenbrot genossen und einen Ausländerplatz belegt hat. Man möge mich bitte nicht falsch verstehen, ich bin ein großer Fan von Darius Hall. Auch mir ging wie dem gesamten AudiDome jedes Mal das Herz auf, wenn ich seine ansteckende Leidenschaft erleben durfte. Doch sportlich war er quasi nicht mehr vorhanden. Dass er nun durch einen Spieler wie Lawrence Roberts ersetzt werden konnte, ist daher eine so deutliche Verbesserung, dass es mir schon fast peinlich ist, dies zu erwähnen.

Mit Troutman, Homan, Roberts und Jagla steht dem FC Bayern zweifellos eine der nominell besten langen Garden der Liga zur Verfügung.[2] Mit Nadjfeji hat man für den Fall einer Verletzung einen Edelreservisten in der Hinterhand, mit Radosavljevic und Wolf zwei talentierte Nachwuchsspieler mit dem so wichtigen deutschen Pass. Im Prinzip alles richtig gemacht. Nur birgt eine solche Ansammlung von guten Spielern auch Gefahren. Wie schmeckt es Jared Homan, dass er wohl nicht mehr ganz so viele Würfe bekommt? Was sagt Chevon Troutman dazu, dass er möglicherweise noch mehr als im letzten Jahr um seine Punkte kämpfen muss? Wie kommt Jan Jagla damit zurecht, dass er nach seiner großen Rolle im DBB-Dress wieder nur Bankspieler mit geringer Spielzeit ist? Wie fügt sich Lawrence Roberts ein? Spielerisches Potenzial ist auf den großen Positionen im Überfluss vorhanden, Konfliktpotenzial jedoch auch nicht wenig. Ersteres gilt es auszuschöpfen, letzteres im Keim zu ersticken …

In Teil 3 der Korbleser-Saisonvorschau geht es demnächst um die Guard-Spieler des FC Bayern Basketball. Stay tuned …

von Jalapeno – mehr auf korbleser.de


[1] Ja, eigentlich ist es umgekehrt, die Positivquote schreibt bei 10 Spielern auf dem Spielberichtsbogen 4 Deutsche vor, bei 11 Spielern 5 Deutsche und bei 12 Spielern 6 Deutsche, aber das wäre für den Fließtext zu kompliziert. Für eine Fußnote ist es okay, die lesen sowieso nur die Freaks.

[2]Eine der besten”, denn auch andere Teams haben sich einen schmackhaften Frontcourt kreiert, beispielsweise die Brose Baskets Bamberg. Ob der Bamberger nun schmackhafter ist als der Münchner, das ist – wie beim Bier – wohl Geschmackssache. Nach der Saison wird man in der Frontcourt-Frage etwas schlauer sein. Über die Bierfrage wird man noch in 100 Jahren streiten. Meine Meinung zu beiden Fragen: Ob Bamberg oder München, ein echter Connaisseur genießt und wertschätzt beides.

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