Podcast: EWE Baskets vs. TBB Trier

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Es war eine bemerkenswerte Schlussphase der TBB Trier, die den deutschen Vizemeister völlig unerwartet noch an den Rand einer Niederlage gebracht hat. Aus Oldenburg berichtete unser lieber Kollege Tom Rüdell, der eine ebenfalls bemerkenswerte “One-Man-Show” ablieferte und den Fans zu Hause das Spielgeschehen hautnah vom Spielfeldrand aus nahe brachte.

Haarscharf: TBB Trier verliert 81:75 in Oldenburg

Viel spannender geht nicht: Die TBB Trier kompensiert einen 19-Punkte-Rückstand, kämpft sich 19 Sekunden vor dem Ende auf 77:75 heran und verliert am Ende mit 81:75 gegen den haushohen Favoriten EWE Baskets Oldenburg. Bester Trierer war Trevon Hughes mit 30 Punkten, 5 Assists und 4 Rebounds. Auf Oldenburger Seite stachen ex-Trierer Dru Joyce mit 12 Assists, Julius Jenkins mit 21 Punkten und Andrea Crosariol mit 7 Blocks hervor.

Richtig glauben konnte – oder wollte – es direkt nach Spielende keiner der 4652 Zuschauer, was da gerade in der „großen EWE Arena“ vorgefallen war: Die TBB Trier hatte sich in ein scheinbar aussichtsloses Spiel gegen den bis dahin souveränen Tabellenzweiten zurückgebissen. Die EWE Baskets Oldenburg hatten mit 19 Punkten mehr als komfortabel geführt – und sich dann vom einmal mehr stark aufspielenden Trierer Guard Trevon Hughes (30 Punkte) das Spiel fast alleine aus der Hand nehmen lassen. Ein 21:4-Lauf der Gäste stellte den Spielverlauf kurzzeitig auf den Kopf, Trier war Sekunden vor dem Ende auf 77:75 dran., schnupperte an der Senation. Dass es für die TBB nicht reichte, verdankten die Huntestädter am Ende einem nervenstarken Dru Joyce: Der ex-Trierer erzielte seine ersten beiden Punkte der Partie 17 Sekunden vor Schluss an der Freiwurflinie und erhöhte damit auf 79:75. Den Schlusspunkt setzte Nemanja Alexandrov, ebenfalls per Freiwurf fünf Sekunden vor Ende: 81:75 lautet das verdiente Endergebnis.

Oldenburg hatte die Partie bis zu dieser außergewöhnlichen Schlussphase klar dominiert, das Team von Sebastian Machowski kontrollierte das Tempo auf beiden Seiten des Spielfelds und ließ der TBB Trier wenig Raum zur Entfaltung. Schon im ersten Viertel zeigte Dru Joyce warum er einer der besten Point Guards der Liga ist – vier Assists nach zehn Minuten, am Spielende waren es deren zwölf.

Auch auf den großen Positionen war Oldenburg am Samstagabend schlicht und ergreifend besser besetzt, und das nicht nur, weil Triers Center Andreas Seiferth wegen seiner anhaltenden Kniebeschwerden geschont wurde. Nemanja Aleksandrov und Andrea Crosariol (Vier-Wochen-Vertrag als Ersatz für den verletzten Adam Chubb) dominierten das Geschehen an den Brettern, Crozariol gelangen insgesamt sieben Blocks und ein fast perfektes Spiel – nur zwei Freiwürfe vergab der italienische Center, schoss 100 Prozent aus dem Feld und kam am Ende auf 16 Punkte.
Oldenburg spielte schnell und führte schnell hoch, 27:18 nach zehn Minuten, 34:18 im zweiten Viertel. Bei Trier lief dagegen nicht viel zusammen – der Einsatz stimmte, blieb gegen gute Oldenburger Defense aber oft erfolglos. Trevon Hughes rannte dennoch unermüdlich gegen die drohende Niederlage an, auch Vitalis Chikoko hielt am Brett zumindest dagegen und kam am Ende auf 12 Punkte und 11 Rebounds – nach Verletzungsbeschwerden in der Vorbereitung endlich wieder ein starkes Spiel des 23jährigen aus Simbabwe. Zur Halbzeit stand es „nur“ 47:36.

Auch das dritte Viertel brachte keine wirkliche Besserung, Stefan Schmidt ackerte an den Brettern und erzielte Achtungserfolge (11 Punkte, 5 Rebounds), dennoch schien die Oldenburger Festung heute uneinnehmbar. Trier konnte den Rückstand nicht verkleinern, lag nach drei Viertel mit 63:50 zurück – die ungefähr 30 mitgereisten Trierer Fans ahnten Schlimmes.

Die EWE Baskets Oldenburg ahnten dagegen offenbar nichts – die TBB Trier hatte sich noch lange nicht aufgegeben. Angeführt von Trevon Hughes bäumte Trier sich im letzten Viertel auf, ohne die Gastgeber dabei allzu nervös zu machen. Schließlich führte der Vizemeister zwischenzeitlich mit 71:52. Doch Oldenburg verlor jetzt den ein oder anderen Ball, traf seine Dreier nicht, verzettelte sich ein ums andere Mal in der gut ausgeführten Trierer Zonenverteidigung – dem Tafelsilber unter Henrik Rödls Verteidigungsvarianten.

Das ließ den Vorsprung schmelzen, bis ein Dreier von Hughes 36 Sekunden vor Schluss zum 72:77 die Tür öffnete. Mathis Mönninghoff trat diese Tür wenig später mit einem weiteren Dreier ein: 75:77, 19 Sekunden Restspielzeit – das hätte klappen können. Der Rest ist bekannt: Dru Joyce behält die Nerven, Aleksandrov erhöht, und Hughes rennt sich am Ende in der immer noch guten Teamdefense der Gastgeber fest. Am Ende steht ein verdienter Sieg für die EWE Baskets, eine starke kämpferische Leistung der TBB Trier trotz widriger Bedingungen und ein großes Spiel für Trevon Hughes.

Für Trier: Petric (n.e.), Ward (0), Hughes (30/5 Ast/4Reb), Schmidt (11/5 Reb), Mönninghoff (3), Wenzl (4), Samenas (7), Chikoko (12/11Reb), Bucknor (2/5Reb), Anderson (6).

Henrik Rödl, Headcoach TBB Trier: “Oldenburg hat uns heute über weite Strecken dominiert, verdient dominiert. Das Team von Sebastian ist eingespielt und ist aufgetreten wie ein Vizemeister. Es war schwer für uns, hier gut auszusehen. Es spricht für die Moral und den Willen meiner Mannschaft, dass wir am Ende noch einmal auf zwei Punkte heran gekommen sind. Das ist ein gutes Zeichen, aber mehr ist momentan realistisch auch nicht möglich für uns. Oldenburg hatte das Spiel etwas früh abgehakt und als wir uns ins Spiel zurück gearbeitet hatten, haben sie den Faden nicht wieder gefunden. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass das eine Minute früher passiert, dann hätte es vielleicht anders ausgesehen. Für uns zählt jetzt, dass unsere Verletzten wieder gesund werden und wir in den normalen Spieltagsrhythmus zurück kehren können.”

Sebastian Machowski, Headcoach EWE BAskets Oldenburg: “Als wir mit 20 Punkten geführt haben, ist uns die Konzentration abhanden gekommen. Wir haben in der zweiten Halbzeit unsere offenen 3er nicht getroffen, was gegen eine Zone immer zu Schwierigkeiten führt. Gegen die Zonenpresse der Trierer im Schlussabschnitt hätten wir den Ball früher aus dem Korb holen müssen und schneller die erste Verteidigungslinie überwinden. All das hat nicht gut geklappt. Natürlich wollen die Zeitungen jetzt gerne schreiben ‘Oldenburg schenkt sicheren Sieg beinahe her’ – aber darum geht es nicht. Es zählen die zwei Punkte. Wir fangen jetzt an, uns auf den Eurocup zu konzentrieren.”

Text: Tom Rüdell

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