THE BIG DEAL – die Beko BBL im TV

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Teil 4: “Telekom-Deal” und Ausblick

Wir stellen Euch die bisher verfügbaren Informationen zum neuen Vertrag mit der Deutschen Telekom zusammen, und beantworten die wichtigsten Fragen. Alle Angaben natürlich ohne Gewähr ;-).

Umfang der Live-Berichterstattung

Es werden erstmals alle Liga-, Pokal,- und Playoffspiele sowie die Sonder-Events (z.B. Allstarday) produziert. Es bleibt zudem bei ca. 50 Live-Spielen im Free-TV. Auf welchem Sender diese Übertragungen zu sehen sein werden ist noch unklar. Die Telekom verhandelt mit mehreren Interessenten, u.a. Sport 1. Pro Spieltag gibt es also neun Spiele live, mindestens 8 im Netz bzw. bei Entertain, eins im Free TV. Der Vertrag läuft bis zum Ende der Saison 2017/2018.

Was bedeutet das für die Streams der Vereine, wie den TBB LiveStream von basketball-stream.de?

Es wird keine so genannten Vereinsstreams mehr geben. Mit der Bekanntgabe der Neuvergabe der Medienrechte ist unseren Planungen für die neue Saison quasi die Grundlage entzogen worden. Es wird und darf keine Eigenproduktionen mehr geben. Das ist einerseits traurig, weil wir mit unserem Team gerne weiter gemacht hätten, tolles Feedback zu unseren Produktionen erhielten und voller Tatendrang und Ideen waren, andererseits aber auch eine tolle Gesamtentwicklung, über die wir uns als Basketballfans freuen und zu der wir die Liga nur beglückwünschen können. Wir sind auch stolz einer der Wegbereiter dafür gewesen zu sein, dass nunmehr alle Spiele gezeigt werden. Vielleicht können wir uns ja auch mit unserem Know-How unter neuer Flagge weiter einbringen, dem Aufruf von Beko BBL Geschäftsführer Jan Pommer am Ende dieses Interviews sind wir jedenfalls gefolgt.

In welcher Qualität wird übertragen und wer produziert das Ganze?

Alle Spiele sollen in HD-Qualität produziert werden. Es wird als Standard vier Perspektiven, bei mindestens einem Top-Spiel sogar sechs Perspektiven geben. Das übertrifft den Standard von Sport1, die mit ihren Produktionsteams nur in SD übertragen haben.

Die Produktionen werden nicht von der Telekom selbst in Auftrag gegeben/umgesetzt, die Beko BBL liefert das fertige Signal für die “Telekom-Kanäle” und stellt für die Umsetzung aktuell ein eigenes Redaktions- und Produktionsteam zusammen, dass neben der Live-Berichterstattung auch noch Highlights von sämtlichen Spielen im Nachgang produzieren soll. Auch ein Magazin-Format ist angedacht. Bei den Produtkionen soll nach Auskunft der Liga auch auf die Expertise in den Clubs zurückgegriffen werden.

Aus unserer Sicht ist das eine Herkules-Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Zum Hintergrund: bei unseren Video-Streams der Trierer Spiele waren bereits zehn Mitarbeiter pro Übertragung im Einsatz, wir haben auch Sport1 schon bei einer Fernsehproduktion begleitet und einen Hintergrundbericht gedreht, hier ist das Produktionsteam über 20 Mann stark.

Warum macht die Liga das in Eigenregie?

Hier können wir natürlich nur mutmaßen. Zum einen wird wohl aus Kostengründen aus der Not eine Tugend gemacht –  für eine Videoproduktion mit den vorgegebenen Standards wären “am Markt” mindestens 5.000 – 10.000 € pro Produktion fällig, was bei über 300 Übertragungen einem Gesamtvolumen von mehr als 1,5 Mio. € entsprechen würde. Der größte Vorteil und ein Novum ist allerdings, dass die Liga sowohl für die Sendermarke als auch medienrechtlich selbst verantwortlich ist. Das heißt die Beko BBL behält letztlich die Hoheit über die redaktionellen Inhalte, kann diese selbst gestalten und zusätzlich die reichweitenstarken Kanäle des Partners zur Verbreitung nutzen – salopp formuliert: man kann in großem Stil Werbung in eigener Sache machen. Die Telekom wiederum erhält Premium-Content in einem wohl unschlagbar günstigen Gesamtpaket, eine klassische Win-Win-Situation. Eine ideale Konstellation für jeden Basketballfan, die auf leidenschaftlichere Übertragungen mit mehr Fachkompetenz, Ideen und Inhalten hoffen lässt, schließlich soll die Faszination Beko Basketball Bundesliga ja bestmöglich vermittelt werden.

Was kostet das neue Angebot und wie kann ich es empfangen?

Das gesamte Angebot ist für Telekom Vertragskunden unabhängig ob Festnetz, Mobilfunk oder IP-TV kostenlos und soll auch unabhängig vom vertragsbestandteiligen Endgerät nutzbar sein.  Heißt: ein Mobilfunkkunde kann das Angebot auch am heimischen PC oder Tablet nutzen und muss sich die Spiele nicht zwangsweise auf seinem Telekom-Handy anschauen. Das Angebot gilt nur für direkte Telekom-Kunden, Tochterfirmen wie Congstar gehören nicht dazu. Nach dem jüngsten Unternehmensbericht hat die Telekom über 70 Millionen Bestandskunden, die kostenlos die Beko Basketball Bundesliga in HD-Qualität verfolgen könnten. Falls die Telekom mit ihrem Marketing- und Werbemöglichkeiten die Beko Basketball-Bundesliga aktiv bewirbt, ist das in der Tat ein Meilenstein für die weitere Entwicklung des deutschen Basketballs.

Zur Umsetzung muss es demnach mindestens zwei Empfangswege geben. Einmal als Erweiterung über das IP-TV-Angebot “Entertain” direkt am TV – zum Anderen wird es ein Online-Angebot geben, vermutlich eine Plattform, auf der man sich mit seinen Kundendaten oder gesonderten Zugangsdaten einloggen kann, um die Spiele online via App oder auf beko-bbl.de bzw. den Vereins-Homepages sehen zu können.

Für Nicht-Telekom-Kunden soll es ein monatlich kündbares Monats- und Saisonabo geben. Das Saisonabo wird weniger als 10 € pro Monat kosten und ebenfalls nicht auf ein Endgerät beschränkt sein. Ob es auch die Möglichkeit gibt einzelne Spiele zu “buchen” oder nur die Spiele des Lieblingsvereins ist noch unklar. Unterm Strich war es aber noch nie so einfach und komfortabel auf Live-Basketball zuzugreifen.

Wird es endlich feste Sendezeiten geben?

Ja, auch dieser Wunsch geht in Erfüllung. Immer wieder wurde Sport 1 dafür kritisiert, dass man selbst als Basketball-Nerd kaum noch den Überblick behalten konnte, wann genau die nächste Live-Übertragung ansteht. Mit dem neuen Vertrag und der Telekom im Rücken hat die Beko BBL jetzt eine viel stärkere Verhandlungsposition. Nach Auskunft der Liga wird es feste Sendezeiten am Freitag, Samstag und Sonntag geben. Da die Spiele zu unterschiedlichen Zeiten beginnen, können auch die “kleinen Clubs” künftig von der größeren Reichweite profitieren, weil es kaum noch parallel stattfindende Partien gibt. Heißt für den Basketballfan: er kann noch mehr Live-Basketball erleben, selbst wenn er die Heimspiele seines Lieblingsvereins weiter besucht.

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4 Comments

  1. Jano

    24. Juni 2014 at 14:42

    Für den Basketballkonsumenten ist das Alles sicherlich ganz toll, aber was ist mit den Fans, die die Spiele ihres Vereins vor Ort besuchen?
    Die Basketball Bundesliga wird hiermit noch ein Stück mehr zum Konsumprodukt. Feste “Sendezeiten”, also für Fans vor Ort “Tipoffzeiten”, sind sicher lange überfällig, allerdings schwant mir böses, wenn ich lese, dass freitags, samstags und sonntags feste Tipoffzeiten geplant sind. Da der Spielplan wie zB im Fußball weiter entzerrt werden soll, um mehr nacheinander übertragen zu können befürchte ich Tipoffzeiten wie Samstag 15, 18 und 21 Uhr, Freitag 18 Uhr oder Sonntag 13 Uhr wie in der Vergangenheit bereits erlebt.
    Das mag für den Konsumenten vor der Röhre ganz toll sein, aber für die Fans, die den Sport beleben und ohne die es in den Hallen todeslangweilig wäre ist das kein Zuckerschlecken.

    Da werden wieder Entscheidungen getroffen, die für aktive Fans fast nur Nachteile haben. Positive Meldungen für diese Fans gibt es seitens der Bundesliga schon lange nicht mehr…

    • Chris

      24. Juni 2014 at 17:36

      Du hast bzgl. der Tip-Off-Zeiten wohl recht, dass es mehrere pro Tag geben wird, wobei die Vereine/Hallenkapazitäten ja auch eine Rolle spielen und die genauen Uhrzeiten noch nicht veröffentlicht wurden. Als Familienvater sehe ich es z.B. auch positiv sollte z.B. samstags auch mal um 18 Uhr oder sonntags um 15 Uhr gespielt werden. Insgesamt muss man als Fan aber wohl mit der fortschreitenden Kommerzialisierung leben, Basketball ist Business, die Vereine Wirtschaftsunternehmen. Ich sehe es aber durchaus auch positiv, dass ich neben dem Heimspiel vor Ort noch mehr Spiele als bisher live verfolgen kann. Ich gebe Dir aber recht, dass das negativen Einfluss auf die Fankultur, gerade bei Auswärtsfahrten haben könnte, dass alle Spiele übertragen werden. Hier sind die Vereine und die Fans gefragt, dass es nicht so wird. Es gibt doch schließlich nichts über das Live-Erlebnis in der Halle.

  2. bth-fan

    30. Juni 2014 at 10:55

    Danke für den ausführlichen Artikel!

  3. Jens

    10. Juli 2014 at 01:53

    Im ersten Satz steht, dass sich die Telekom die Übertragungsrechte auf allen audiovisuellen Kanälen gesichert hat. Was passiet mit den Radiosendern wie Radio bamberg Radio Bonn-rhein-sieg oder Radio Mainwelle, die bisher live von den Spielen ihrer Mannschaften berichteten, darf die ARD in ihren Rundfunkprogrammen überhaupt noch live in eine Basketbal-Halle schalten und wird Miles auch nict mehr hier seine emotionalen Reportagen zum Besten geben dürfen?

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